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Wissenswertes zur Parodontitis

Die Parodontitis ist eine Entzündung des Zahnbettes und tritt heutzutage immer häufiger auf. Der Grund dafür ist zunächst positiv: die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen ist deutlich gestiegen. Dank besserer Zahnpflege haben auch ältere Menschen länger ihre natürlichen Zähne.  Diese Entwicklung ist natürlich gut, jedoch treten in diesem Zusammenhang auch vermehrt andere Erkrankungen, wie z.B die Parodontitis auf. In unserem Blogbeitrag über Parodontitis klären wir für Sie alle wichtige Fragen rund um dieses Thema.

 

Was ist eine Parodontitis?

Die Parodontitis ist eine durch Bakterien ausgelöste Entzündung des Zahnhalteapparates. 

Bei der Erkrankung sind das Zahnfleisch, der Kieferknochen und die Fasern betroffen, mit denen der Zahn federnd in seinem Knochenfach aufgehängt ist. Diese Strukturen bilden zusammen den Zahnhalteapparat, fachsprachlich als Parodont bezeichnet.

Die Vorstufe der Parodontitis ist die Gingivitis, eine reine Entzündung Zahnfleisches. Besteht die Gingivitis längere Zeit, kann die Entzündung auf das ganze Zahnbett übergreifen, dann spricht man von einer Parodontitis.

 

Was ist der Unterschied zwischen Parodontitis oder Parodontose?

Die Antwort ist simpel: es handelt sich um zwei Begriffe für die gleiche Erkrankung.

Der Begriff Parodontose gilt allerdings als veraltet und wurde durch den Fachbegriff der Parodontitis abgelöst. Die Wortendung dient dazu, die Art der Erkrankung zu beschreiben. 

Wörter mit der Endung “-itis” beschreiben entzündliche Erkrankungen, während die Endung “-ose” degenerative Vorgänge beschreibt. Da es sich um eine entzündliche Erkrankung handelt, ist der Begriff Parodontitis passender und wird im Fachbereich mittlerweile ausschließlich verwendet.

 

Wie entsteht eine Parodontitis?

Im Zahnbelag befindliche Bakterien verursachen zunächst eine Schwellung des Zahnfleischrandes rund um den Zahn. Es kommt zu Zahnfleischbluten. Durch die Schwellung des Zahnfleisches haben die Bakterien ein leichtes Spiel, sich zwischen Zahn und Zahnfleisch einzunisten und können sich im Schutz der Zahnfleischtasche ungestört vermehren. Mit Fortschreiten der Erkrankung dringen die Bakterien immer tiefer in die Zahnfleischtasche ein und bauen dort die Fasern und den Kieferknochen ab. Das Zahnfleisch löst sich vom Zahn ab und geht zurück. Wird der Entzündung keinen Einhalt geboten, entstehen immer tiefere Zahnfleischtaschen und die sonst von Zahnfleisch bedeckten Zahnhälse liegen ungeschützt frei.

Als Folge der mangelnden Verankerung lockern sich die Zähne und es kommt im schlimmsten Fall sogar zum Zahnverlust. Eine Reinigung mit der Zahnbürste ist hier nicht mehr ausreichend.

 

Was für Symptome treten auf?

Häufige Anzeichen für eine Parodontitis sind Zahnfleischbluten und Mundgeruch.

Es gibt eine Reihe von weiteren Auffälligkeiten, die auf eine Erkrankung hinweisen können. Dazu gehören zurückgebildetes oder geschwollenes Zahnfleisch, freiliegende Zahnhälse, empfindliche Reaktionen auf kalte oder heiße Reize oder lockere Zähne. 

Optisch auffällig sind auch die sogenannten „black triangles” (auf Deutsch: schwarze Dreiecke). Da sich das Zahnfleisch zurückzieht, fehlt zwischen den Zähnen Weichgewebe. Die entstandenen Lücken werden als unschön wahrgenommen, die Zähne wirken insgesamt verlängert. Begleiterscheinung einer fortgeschrittenen Parodontitis können auch andere Entzündungserkrankungen durch geschwächte Abwehrprozesse des Körpers sein.

Sollten Sie diese Veränderung bei sich feststellen, sollten Sie uns, Ihren Zahnarzt in Münster, aufsuchen.

 

Was sind die wichtigsten Ursachen?

Eine unzureichende Mundhygiene und Rauchen sind zwei große Faktoren, die die Entstehung einer Parodontitis begünstigen. Psychischer Stress und eine unausgewogene, stark zuckerhaltige Ernährung erhöhen ebenfalls das Risiko einer Erkrankung. Auch während einer Schwangerschaft oder einer Diabeteserkrankung sollten Patienten vermehrt auf eine sorgfältige Mundhygiene achten. Der veränderte Hormonhaushalt bei einer Schwangerschaft beeinflusst die Entstehung einer Parodontitis negativ.

 

Ist eine Parodontitis vererbbar?

Prinzipiell besteht die Möglichkeit der Vererbung von Zahnfleischproblemen. Allerdings spielen noch viele andere Faktoren eine Rolle bei der Entstehung einer Parodontitis. Die Veranlagung zur Entstehung macht sich häufig bereits in jungen Jahren bemerkbar. Trotz guter Mundhygiene und fehlenden Risikofaktoren tritt die Parodontitis in ausgeprägter Form auf.

Die Veranlagung für eine Parodontitis kann nicht nur in vertikaler Richtung weitergegeben werden. Da es sich um eine Infektionskrankheit handelt und nur spezielle Bakterien für ihre Entstehung verantwortlich sind, können diese beispielsweise beim Küssen weitergegeben werden. Trotz der Weitergabe erkrankt aber nicht zwingend jeder.

 

Wie wird eine Parodontitis diagnostiziert?

Bei Ihrer halbjährlichen Routinekontrolle in unserer Zahnarztpraxis in Münster erheben wir den Parodontalen Screening Index (PSI). Dieser Index berücksichtigt die Kombination aus Zahnfleischbluten, Tiefe der Zahnfleischtaschen, sowie das Vorhandensein von Zahnstein. Anhand dieser Faktoren kann bestimmt werden, wie gesund der Zahnhalteapparat des Patienten ist und ob eine Gingivitis (eine reine Zahnfleischentzündung) oder eine Parodontitis vorliegt.

Entsprechend des PSI können nun Therapiemaßnahmen eingeleitet werden, die aus einer professionellen Zahnreinigung oder einer Parodontitistherapie bestehen können.

 

Wie läuft die Behandlung ab?

Das grundsätzliche Ziel der Parodontitistherapie ist es, die schwer erreichbaren Zahnoberflächen in den Zahnfleischtaschen zu reinigen und die schädlichen Bakterien zu entfernen. Prinzipiell gibt es konservative und chirurgische Behandlungsmöglichkeiten. Grundsätzlich wird immer zuerst eine konservative Parodontitistherapie durchgeführt und im Anschluss evaluiert, ob eine chirurgische Therapie ergänzend sinnvoll ist.

Grob lässt sich der konservative Therapieplan in drei Abschnitte gliedern:

  • Vorbehandlung

In der ersten Sitzung werden mit einem Messinstrument an jedem Zahn die Tiefe der Zahnfleischtaschen gemessen. Dieser Schritt ist notwendig, um den Schweregrad der Erkrankung zu bestimmen und beim erneuten Messen nach der Behandlung zu erkennen, an welchen Stellen die Therapie gut angeschlagen hat. Meistens wird noch ein aktuelles Röntgenbild gemacht, um sich einen Überblick zu verschaffen, wie stark bereits Knochenabbau stattgefunden hat.

In dieser ersten Sitzung wird anschließend vorbereitend eine professionelle Zahnreinigung durchgeführt. Es werden sorgfältig alle harten und weichen Zahnbeläge entfernt und der Patient angeleitet, wie er seine Mundhygiene verbessern kann.

Bei dieser Gelegenheit können weiterhin mögliche andere Störfaktoren, wie abstehende oder störende Füllungsränder, entfernt werden. 

  • Initialtherapie

Da die Reinigung gründlich und schmerzfrei erfolgen soll, wird dieser Behandlungsschritt in aller Regel unter Einsatz einer Lokalanästhesie durchgeführt. Es finden bei der Reinigung sowohl maschinelle, mit (Ultra-)Schall arbeitende, als auch manuelle Instrumente Anwendung. Mit Hilfe von dünnen Küretten und Scalern wird die Wurzeloberfläche von ihren Belägen befreit. Dabei wird so schonend vorgegangen, dass die Zahnoberfläche unversehrt bleibt.

  • Unterstützende Parodontitistherapie/Nachsorge

Die dritte Sitzung erfolgt mit etwas zeitlichem Abstand. Nach ein paar Wochen werden die Taschentiefen erneut gemessen und mit denen der ersten Sitzung verglichen. Mit Hilfe der Auswertung kann das Intervall festgelegt werden, in dem eine regelmäßige Nachsorge erfolgen sollte.

Die Parodontitis ist eine chronische Krankheit und kann bedauerlicherweise nicht mit Hilfe einer einmaligen Behandlung geheilt werden. In regelmäßigen Abständen sollten daher die Zahnfleischtaschen erneut gereinigt werden, um das erzielte Behandlungsergebnisse zu halten. Je nach Ausprägung der Erkrankung und eigener Mundhygiene sollte diese unterstützende Nachsorge zwei- bis vier Mal jährlich stattfinden.

Als wertvolle Ergänzung der Parodontitistherapie bieten sich vielfältige Möglichkeiten, das bisher erzielte Ergebnis auf chirurgischem Wege zu unterstützen. Angepasst an den individuellen Befund kann durch einen parodontalchirurgischen Eingriff eine zusätzliche Verbesserung erzielt werden.

 

Offene Parodontitistherapie:

Ist die Entzündung zu Behandlungsbeginn bereits sehr weit fortgeschritten und sind nach Abschluss der konservativen Therapie die Taschen trotzdem noch tief, kann ein offene Parodontitistherapie angeschlossen werden. Dieses operative Verfahren dient der Taschenreduktion zur Erleichterung der Pflegesituation. Das Zahnfleisch wird dabei zurückgeklappt, unter Sicht gereinigt und erkranktes Gewebe entfernt. Der Patient ist anschließend besser in der Lage seine Zähne selbst zu pflegen.

 

Deckung freiliegender Zahnhälse:

Durch das Abschwellen des Zahnfleisch nach erfolgreicher Entzündungsbekämpfung können Zahnhälse freiliegen.  Diese besitzen keine schützende Ummantelung mit Zahnschmelz, sondern bestehen nur aus dem Zahnbein (Dentin). Das freiliegende Dentin kann minuter sehr temperaturempfindlich sein und die optisch verlängerten Zähne den Patienten in ästhetisch relevanten Zonen stören. Freiliegende Zahnhälse im Frontzahnbereich können durch verschiedene Techniken mit Zahnfleischtransplantaten gedeckt werden. Durch diese Maßnahmen kann der Patient nach dem Eingriff wieder ungestört lachen.

 

Welche Behandlung ist die Beste?

Jeder Fall muss individuell für sich betrachtet werden und nicht jede Therapieoption ist für jeden Befund gleichermaßen sinnvoll. Daher ist die sorgfältige Planung der Behandlung durch unsere (Fach-)Zahnärzte in unserer Praxis in Münster und die regelmäßige Reevaluation der aktuellen Situation Grundlage für das bestmögliche Ergebnis.

 

Ist eine Behandlung schmerzhaft?

Die Reinigung der Zahnfleischtaschen findet in aller Regel in Lokalanästhesie statt, sodass Sie von dem Eingriff nichts spüren. Die folgenden Nachsorgebehandlungen können auf Wunsch ebenfalls mit Betäubung durchgeführt werden. Häufig ist dies jedoch nicht erforderlich. Alle chirurgischen Eingriffe finden selbstverständlich mindestens in Lokalanästhesie statt. Auf Wunsch besteht die Möglichkeit die Behandlung in Sedierung durchzuführen. In unserer Fachzahnarztpraxis in Münster bieten wir beispielsweise auch die Behandlung mit Hilfe von Lachgas an, sodass insbesondere für unsere Angstpatienten eine angenehme Atmosphäre geschaffen wird. Gerne beraten wir Sie als Zahnärzte in Münster hierzu in einem persönlichen Gespräch.

 

Wie viel kostet eine Behandlung?

Die Krankenkassen unterstützen Sie bei der Parodontitistherapie und tragen die kompletten Kosten der Hauptbehandlung. Die vorausgehende professionelle Zahnreinigung und die Nachsorgebehandlung wird vom Patienten selbst getragen. Die Kosten liegen bei der Zahnreinigung zwischen 60-90 Euro, die für die Nachsorgebehandlungen je nach Anzahl und Art der Zähne bei rund 80 Euro.

 

Welche Auswirkungen und Wechselwirkungen gibt es zwischen einer Parodontitis und anderen Erkrankungen? 

Parodontitis ist eine Entzündungskrankheit, die Auswirkungen auf den gesamten Körper haben kann und deshalb nicht unterschätzt werden sollte. Bakterien aus der Mundhöhle gelangen  über die Zahntaschen ins Blut und anschließend an weiter entfernte Stellen im Körper. Dort können sie Entzündungen auslösen. Für Patienten erhöht sich damit das Risiko, Folgeerkrankungen auszubilden. Dazu zählen atherosklerotische Gefäßerkrankungen, die zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen können, aber auch Atemwegserkrankungen. Für Schwangere erhöht sich mitunter das Risiko, eine Frühgeburt zu erleiden.

Patienten, die an Diabetes mellitus erkrankt sind, sollten ein besonderes Augenmerk auf die Gesundheit ihres Zahnfleisch legen, da sie leichter an einer Parodontitis erkranken . Im Gegenzug sollte nach erfolgter Parodontitistherapie der Langzeitblutzuckerwert (HbA1c) durch den Hausarzt kontrolliert und gegebenenfalls die Insulinmedikation neu eingestellt werden. Hohe Entzündungswerte schwächen die Wirkung des Insulins und machen eine höhere Dosierung erforderlich. Die durch die zahnärztliche Behandlung reduzierte Entzündung des Zahnfleisches wirkt sich auf den ganzen Körper aus. Nach erfolgreicher Therapie kann die Gabe unter Umständen niedriger dosiert werden.

 

Was kann ich selbst tun?

Da die Grundlage für die Entstehung einer Parodontitis bakterielle Beläge auf den Zähnen sind, ist eine effektive Vorbeugungsmöglichkeit, die regelmäßige, häusliche Mundhygiene. Dazu gehört das mindestens 2x tägliche Zähneputzen, genauso wie die Zahnzwischenraumpflege mit Zahnseide oder Interdentalbürstchen.

Die halbjährlichen Zahnarztbesuche im Rahmen der Prophylaxe in unserer Praxis in Münster zur Überprüfung der Mundgesundheit decken mögliche Probleme schnell auf und machen ein direktes Eingreifen möglich. Auch die regelmäßige professionelle Zahnreinigung unterstützt Sie in Ihrer häuslichen Mundhygiene und reduziert das Risiko, an einer Parodontitis zu erkranken.

Wem sein Zahnfleisch am Herzen liegt, sollte auf den Genuss von Zigaretten verzichten. Rauchen ist ein großer Feind der gesamten Mundgesundheit und fördert die Entstehung einer Parodontitis.

Einigen Studien haben herausgefunden, dass sich auch die Ernährung präventiv auf die Entstehung von Zahnfleischerkrankungen auswirken kann. Eine ausgewogene Ernährung  mit ausreichender Vitaminzufuhr (vor allem Vitamin C und E) und nitritreiche Lebensmittel wirken, genau wie Omega-3-Fettsäuren, protektiv.

Auch Stress macht nachweislich anfälliger für die Entwicklung einer Parodontitis.

 

Gibt es besonders geeignete Zahnpasten?

Viele Zahnpastahersteller bieten speziell Produkte für Patienten mit einer Parodontitiserkrankung an. Anders als die Zahnkrone, besitzen Zahnhälse keine schützende Schmelzschicht, sondern bestehen nur aus dem deutlich weicheren Dentin (Zahnbein). Spezielle Zahnpasten besitzen häufiger einen geringeren Anteil an Schleifpartikeln und schützen so freiliegende Zahnhälse vor übermäßigem Abrieb.

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